Guten Tag!

Montevideo an einem Morgen mit Gewitter.



Von Uruguay nach Ouagadougou und danch in die Schweiz...

Seit meinem letzten Eintrag ist nicht nur viel Wasser die Elbe und Alster hinuntergeflossen, auch ich war ständig im Fluss.
Von Februar bis Anfang April lebte ich mit meiner Familie in Montevideo, der Heimatstadt meiner Frau.
Von der örtlichen deutschen Kirchengemeinde wurde ich gebeten einen Webstuhl zubauen um fast erwachsenden Jugendlichen eines Kinderheims, das von der Gemeinde unterstützt wird, das Weben beizubringen.
Die Nachricht von dem neuen Webstuhl war in Windeseile in Hamburg bei einer Organisation angelangt, die das selbe Kinderheim fördert.
Wir werden nun gemeinsam einen Plan entwerfen um 2015 ein Flying-8 Webausbildungszentrum in Montevideo zu etablieren.

Palmen am Strandrand.


Für eine schweizer Organisation, die zu den Vereinten Nationen gehört, reiste ich für ein paar Tage nach Ghana m die dortigen Möglichkeiten für ein größer angelegtes Flying-8 Webstuhlbau- und Webtraining zu prüfen. Es wurde dann aber entschieden die Sache in Burkina Faso zu beginnen.
So führte mich mein Weg imApril von Uruguay nach Ouagadougou. 8 Weberinnen und ein Weber bauten zusammen mit einigen Helfern in fünf Tagen 10 große Flying-8 Webstühle. Die Bedingungen waren extrem: ständig ca. 45°C in der Halle, viel Staub und kaum Ventilation.

Erstes großes Flying-8 Webstuhlbau Training in Burkina Faso. April 2013.


Alle Teilnehmer waren der Art fleißig und engagiert, das es sie manchmal vergaßen Mittag zu essen bzw. nach Hause zu gehen. Keine der Damen hatte vorher mit Hammer, Säge und Raspel gearbeitet. Die helfenden Tischler konnten kaum glauben, was sich da vor ihren Augen abspielte.

8 Weberinnen und ein Weber bauen 10 Flying-8 Webstühle in 5 Tagen.


Das Holz war hart, die Arbeit war hart, die Bedingungen waren hart.
Das Resultat ist fantastisch.


Nach diesen unglaublich harten, schönen und für alle erfolgreichen Tagen, fuhr ich mit Frau und Kind in die schöne Schweiz zur Zürcher Stalder AG, wo auch ein Flying-8 Webstuhlbau- und Webkurs abgehalten werden sollten. Zum Glück schien auch hier die Sonne, wenn auch nicht so heiß wie in Burkina Faso. Die Webstühle konnten draußen gebaut werden, der Webkurs fand dann natürlich drinnen statt.

Flying-8 Webstuhlbaukurs bei Zürcher Stalder in Lyssach, Schweiz.


Zwei von vier neuen Flying-8 Webstühlen.


Anfang Mai nahm ich an der schönen Austellung in Barnitz "Kunsthanfest" teil und gleich danach ging es zurück nach Ougadougou.
Das Ziel des Projekts dort ist es eine stattliche Textilproduktion aufzubauen. Das Weben ist dort ein weitverbreitetes Handwerk, doch ist es kaum möglich den gleichen Stoff ein zweites Mal zu bekommen, da es an Planung, Material, Färbung und/oder Verständnis für Qualität, brauchbaren Webstühlen, Genauigkeit und Pünktlichkeit mangelt. Alles Faktoren, die erfüllt sein sollten, wenn Produkte für den Export angeboten werden.
In Burkina Faso gibt es viele "schlafende" Webstühle, d.h. Webstühle die einst von Organisationen wie US-Aid den Webern gebracht wurden, die aber unbenutzbar, da sie erstaunlich schlecht konstruiert sind und es auch keine genügende Schulung daran gab.

Schlafende Webstühle von US-Aid. Unbrauchbar auf Grund falscher Konstruktion.


Deswegen ist Esmael Jemal, mein Schüler und Freund aus Äthiopien von der Organisation als Fachmann für Webstuhlumbau gerufen worden. Es ist prima mit ihm zusammen zu arbeiten und gemeinsam das erfolgreiche Flying-8 Weben, das ja auch sein Leben verbessert hat, nach Burkina Faso zu bringen.

Esmael Jemal aus Äthiopien baut schlechte Webstühle zu Flying-8 Webstühlen um. Hier in Ouagadougou, Burkina Faso.


Wieder in Hamburg, Koffer auf, Koffer zu und ab nach Dänemark. Es galt einen Flying-8 Webkurs in Koppenhagen abzuhalten. Es war herrlich dort und die Kolleginnen haben viel Neues, was ich ihnen zeigen konnte, bestaunt, ausprobiert und für gut befunden. Nächstes Jahr soll es dort wieder einen Kurs geben.
Dann ging es wieder nach Ouagadougou. Wieder heiß, wieder staubig, wieder intensiv.
Unglaublich und erfreulich ist jedes Mal die Motivation und die Freude, die die Kollegen_innen an der neuen Webtechnik an den Tag legen.
Der junge Weber Ibrahima, der aus Mali vor dem Krieg geflüchtet ist und in Burkina Faso breite Webstühle kennenlernen wollte, sagte bei eimem Abschlussgespräch: "Ich webe schon mein ganzes Leben, aber ich habe jetzt erst erkannt, dass Weben eine Methode ist, eine Struktur hat. Ich fühle mich, als wäre ich blind gewesen bevor ich dieses Flying-8 Training hatte und jetzt kann ich sehen."



Burkina Faso werde ich dieses Jahr noch öfter besuchen, so dass ich nur an sehr wenigen Ausstellung im Herbst und im Winter teilnehmen werde (Textilmarkt Benedictbäuern und Messe für Kunst und Handwerk im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg).

Bevor das Jahr 2013 sich zur Hälfte erfüllte, waren Natalia, Martin und ich zu einer sehr schönen Woche Flying-8 Webunterricht in Finsterwolde, bei Groningen in Holland. Mirja Wark führt dort die Webschule GOLDEN HANDS. Der Kurs fand mit 6 Teilnehmerinnen statt. Und auch hier traf ich immer wieder auf sonderbare und umständliche Webmethoden. Oft ist das Staunen eben auch auf meiner Seite.
Gestaunt habe ich auch über den kleinsten Flying-8 Webstuhl, den ich je gesehen habe. Mirja hat ihn selber gebaut. Die Webbreite ist 60 cm.

Der kleinste Flying-8 Webstuhl der Welt.
Flying-8 country number 13: Netherlands.


Am meisten Spass macht es mir immer mit den Teilnehmern in den Kursen die Webstühle zu analysieren. "Warum ist das Teil so? Warum sitzt du so? Warum dreht sich das so rum? Warum, warum, warum???" Es ist unglaublich, wie falsch alle herkömmlichen Webstühle konstruiert sind. Genauso unglaublich ist, dass sich alle damit abzufinden scheinen. Nicht nur in Europa sondern in der ganzen Welt. Die Webgeräte in Sierra Leone sind der offensichtlichste Beweiss dafür, dass sich Weber mit viel Mist arrangieren, anstatt die Dinge zu verbessern.



Oft sind Schmerzen im ganzen Körper die Folge davon. Ausserdem dauert die Produktion viel zu lange und ist daher für viele uninteressant. So mache ich auch die Glimåkra, Öxabäck, Lervard, Arm, Toikka, etc. und traditionelle Webstühle dafür verantwortlich, dass immer mehr Webklassen in Hochschulen in ganz Europa geschlossen werden. Ebenso ist es schlimm, dass nutzlose Webstühle in die 3. Welt geliefert werden, die dort keiner benutzen kann. Diese Webstühle töten das Weben, weil sie falsch sind. Dazu kommt natürlich die unkritische Benutzung der Weber_innen.

Die Idee des Flying-8 Webens zielt dahin, dass das Weben körperfreundlich ist und alle Arbeitsschritte alleine und zügig bis schnell ausgeführt werden können. Da es nicht schwierig und nicht teuer ist sich einen Flying-8 Webstuhl selber zu bauen oder den vorhandenen Webstuhl umzubauen, könnten in Zukunft wieder mehr Menschen Freude am Weben finden und nachfühlen, was Ibrahima sagte: "Ich fühle mich, als wäre ich blind gewesen bevor ich dieses Flying-8 Training hatte und jetzt kann ich sehen."

Viele Vertreter offizieller Stellen und der UN kamen zur Abschlussveranstaltung des Flying-8 Webtrainings in Ouagadougou. Flying-8 könnte eine große Zukunft in Burkina haben.